Sorge dich nicht, Anna
Sorgen machen erschöpft – vor allem, wenn sie nur im Kopf stattfinden. Gustav zeigt Anna einen Weg raus aus dem Gedankenkreisverkehr.
Anna saß mit verstrubbelten Haaren am Küchentisch, umgeben von Teetassen, To-do-Listen und einem Gesichtsausdruck, der „akuter Weltuntergang“ schrie.
Gustav, der kleine Säbelzahntiger, balancierte seelenruhig auf der Tischkante. „Na, Weltrettung verschoben oder schon gescheitert?“
„Ha. Ha. Sehr witzig“, murmelte Anna. „Ich habe gestern kaum geschlafen. Was, wenn ich meinen Job verliere? Oder diese Mail von gestern… der Chef hat nicht geantwortet. Und dieser Husten… das ist bestimmt was Ernstes.“
Gustav gähnte demonstrativ. „Weißt du, Anna, Platon hat schon vor 2400 Jahren gesagt: Wer den Körper heilen will, muss erst die Seele heilen. Oder kürzer: Du machst dich krank, bevor überhaupt was passiert.“
Anna blickte ihn verzweifelt an. „Und was soll ich tun? Meditieren, bis die Steuererklärung sich von selbst erledigt?“
„Gar nicht so schlecht, aber ich hab was Besseres: die Litchfield-Methode. Aufschreiben, was dich stresst. Dann den Worst Case akzeptieren. Und dann alles tun, um das zu verhindern.“
Anna kramte ein Notizbuch hervor. „Okay, Worst Case: Ich werde gekündigt, lande unter einer Brücke und esse abgelaufene Müsliriegel.“
Gustav kicherte. „Super, hast du einen Lieblingsplatz unter den Brücken der Stadt?“
Anna schnaubte. „Sehr witzig.“
„Nein, im Ernst. Du akzeptierst, dass das theoretisch passieren könnte – und dann fragst du dich: Was kann ich konkret tun, damit es nicht passiert? Bewerbung schreiben, Netzwerk reaktivieren, und vielleicht… einfach mal einen Tag lang nicht darüber nachdenken!“
Anna lächelte zögerlich. „Und wenn trotzdem alles schiefgeht?“
„Dann kauf dir ’nen Sarg, wie dieser Haney-Typ, und mach erstmal eine Weltreise. Hat bei ihm auch funktioniert – danach war das Magengeschwür weg.“
Anna lachte laut. „Du meinst, ich soll jetzt losziehen und mir einen Sarg kaufen? Gustav, ich bin 30, keine 90!“
„Symbolisch, Anna, symbolisch!“ Gustav klopfte ihr gegen die Stirn. „Und übrigens: Wenn du darauf wartest, dass dir jemand dankt, weil du heute mal nicht alle Mails panisch beantwortet hast – vergiss es. Mach die Dinge, weil du Bock drauf hast, nicht weil du Applaus erwartest.“
Anna lehnte sich zurück, atmete tief durch. „Weißt du was? Ich glaube, ich bestelle jetzt einfach einen Kaffee, setze mich an die frische Luft und – Gott bewahre – genieße den Tag.“
Gustav sprang mit einem eleganten Satz auf den Fensterrahmen. „Siehst du? Sorge dich nicht, leb endlich! Ich wusste doch, du lernst es noch!“



