Handwerk statt Chaos
Anna fühlt sich vom Management-Alltag überrollt, bis Gustav ihr zeigt, dass Führung kein Chaos, sondern erlernbares Handwerk ist.
Disclaimer: Die heutige Ausgabe ist inspiriert von dem Buch “Führen Leisten Leben“ von Fredmund Malik. Dieses Buch und weitere Buchempfehlungen findet ihr auf meiner Seite für Buchempfehlungen. Viel Spaß mit der heutigen Ausgabe!
„Fünf Meetings, drei To-do-Listen und null Nerven“, stöhnte Anna und ließ sich auf den Stuhl fallen. Ihr Blick blieb am chaotischen Kalender auf dem Bildschirm hängen. „Sag mal, Gustav, ist Management eigentlich nur Chaos mit einem hübschen Terminkästchen?“
Gustav hob träge den Kopf von seiner Pfote. „Management ist wie eine Sprache. Manche reden viel und sagen nichts. Andere brauchen drei klare Sätze und bewegen ein ganzes Team.“ Er gähnte. „Fredmund Malik würde wohl sagen: Ziele, Entscheidungen, Stärken. Der Rest ist Rauschen.“
Anna zog die Stirn kraus. „Aber ich habe doch Ziele. Zwölf Stück fürs Quartal.“
„Zwölf?“ Gustav schnaubte. „Das sind Anker an den Füßen, wenn du schwimmen willst. Malik sagt: Wenige, sportliche Ziele. Glasklar, messbar und so präzise, dass jeder versteht, worum es geht.“
„Und wenn das Ziel abstrakt ist? Zum Beispiel ‘innovationsfreudiger werden’?“
„Dann setzt du Indikatoren. Zwei Prototypen im Monat, ein Kundeninterview die Woche. Aus Luft wird Handfestes, sobald eine Zahl danebensteht.“
Anna lehnte sich zurück. „Na gut. Aber Teamziele sind doch auch wichtig.“
„Fürs Wir-Gefühl vielleicht. Aber wenn drei Leute dieselbe Kiste tragen, hält sie keiner richtig. Individuelle Ziele sind ehrlicher.“
Sie schwieg einen Moment. „Kein Wunder, dass meine Zeit sich nie nach meiner Zeit anfühlt.“
„Tut sie auch nicht“, entgegnete Gustav. „70 bis 80 Prozent deiner Stunden gehören anderen: Kunden, Chefs, Meetings. Deine 20 Prozent musst du wie einen Schatz bewachen. Rosinen, nicht Rosinenbrot. Alles andere: abgeben, parken oder weglassen.“
Anna starrte auf den Bildschirm. „Entscheidungen sind das Schlimmste. Ich schiebe sie, bis sie mich überrollen.“
„Vier Schritte, dann rollt nichts mehr“, schnurrte Gustav. „Worum geht es hier wirklich? Was wäre richtig? Welche Alternativen gibt es, inklusive Stillstand? Welche Folgen und Risiken drohen? Danach: entscheiden, Verantwortung klären, Umsetzung nachhalten. Sonst bleibt es nur ein hübscher Gedanke mit PowerPoint-Schleife.“
„Und ich? Ich ertappe mich ständig dabei, Aufgaben nach Schwächen zu verteilen – nur damit nichts schiefgeht.“
„Dann bekommst du Mittelmaß als Dank. Stärken sind der Hebel. Wenn Aufgabe, Talent und Persönlichkeit zusammenpassen, gibt es Spitzenleistung. Nicht zu leicht, nicht zu schwer, mit klarer Unterstützung und passend zur Person. So wächst Energie statt Widerstand.“
Anna lächelte müde. „Also weniger Perfektionismus, mehr Vertrauen?“
„Genau. Vertrauen heißt nicht keine Kontrolle, sondern gezielte Kontrolle. Fehler offen zugeben, zuhören, berechenbar bleiben. Dann reichen Stichproben. Kleine Patzer darfst du übersehen – solange die Lernkurve stimmt.“
„Und die Strukturen? Unser Dienstweg ist länger als ein Alpenpass.“
„Dann kürzen“, brummte Gustav. „Weniger Ebenen, kurze Wege, Schlüsselaufgaben zu den Besten mit maximalem Spielraum. Frag dich: Steht die Leistung für den Kunden im Mittelpunkt? Können Mitarbeitende leisten, was sie sollen? Kannst du leisten, was du sollst? Ein Nein reicht, und du hast Handlungsbedarf.“
Anna kicherte. „Und die Meetings? Halbe Tage verplempern wir damit.“
„Dann mach sie selten und scharf. Agenda vorab, wenige Punkte, klarer Zeitrahmen. Vorbereitung rechtzeitig, Entscheidungen dokumentieren. Dann ist das Meeting nützlich statt Narkose.“
„Und das Budget?“ Anna winkte ab. „Das ist doch Controlling.“
„Unsinn. Budget ist dein Röntgenbild. Vergleiche über Zeit, Abteilung, Projekt. Erkläre jede Abweichung. Schau nicht nur auf Geld, sondern auch auf Kennzahlen wie Innovation, Produktivität, Profitabilität. Wer das Budget aktiv führt, steuert – nicht nur verwaltet.“
Anna atmete tief durch. „Und ich selbst? Ich renne, bis nichts mehr geht.“
„Du bist das wichtigste System. Kleine Routinen, große Wirkung: Schlaf, Bewegung, gesunde Pausen. Kalender diszipliniert führen, Fokusblöcke schützen, neue Methoden ausprobieren, statt in alten Rillen zu stecken. Wer sich selbst führt, kann andere führen.“
Anna lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. „Es klingt… machbar. Kein Drama, einfach Handwerk.“
„Genau“, nickte Gustav. „Man lernt es wie eine Sprache oder eine Sportart. Übung, Klarheit, Konsequenz.“
Sie klappte den Kalender auf. „Erster Schritt: Ich halbiere meine Ziele fürs Quartal. Und die Meetings fasse ich an.“
„Und blocke dir täglich deine 20 Prozent Hochwirk-Zeit. Ich bewache den Slot. Mit Krallen.“
Anna grinste. „Deal.“
Gustav streckte sich, sprang aufs Fensterbrett und sah hinaus. „Dann ist dein Management nicht mehr Chaos mit Kalender – sondern Handwerk mit Kurs.“



