Der Vorsatz und die Rosine
Anna bricht ihre Vorsätze, Gustav erklärt: Stress fokussiert unser Gehirn auf Probleme. Erst Stress reduzieren, dann Ziele angehen.
Disclaimer: Die heutige Ausgabe ist inspiriert von dem Buch “Alles reine Kopfsache“ von Marcus Täuber und Pamela Obermaier. Dieses Buch und weitere Buchempfehlungen findet ihr auf meiner Seite für Buchempfehlungen. Viel Spaß mit der heutigen Ausgabe!
Anna seufzte und legte das halb angebissene Stück Schokolade neben ihren Laptop.
„Gustav, ich schwöre, diesmal halte ich es durch. Keine Süßigkeiten mehr, mehr Sport, weniger sinnloses Scrollen. Und jetzt schau mich an – vier Wochen später und ich sitze wieder hier.“
Gustav sprang auf den Tisch, streckte sich und schnupperte demonstrativ an der Schokolade. „Tja, Anna. Dein Gehirn ist halt ein ganz schlauer Fuchs. Oder besser gesagt – ein Saboteur mit eingebautem Radar.“
„Ein Saboteur?“ Anna zog die Augenbrauen hoch.
„Ja“, schnurrte Gustav. „Dein Kopf ist darauf programmiert, Probleme zu suchen. Stell dir vor, dein Fokus ist wie eine Taschenlampe. Die leuchtet automatisch auf alles, was stressig oder gefährlich wirkt. Und rat mal – TikTok und Schokolade sind die bunten, blinkenden Dinge, die sofort ins Licht springen.“
Anna verdrehte die Augen. „Also bin ich meinem Gehirn ausgeliefert?“
„Nicht ausgeliefert – aber du musst lernen, die Taschenlampe selbst zu schwenken.“ Gustav grinste, seine grünen Augen blitzten. „Willst du ein Beispiel?“
„Na gut.“
Gustav hielt eine Rosine hoch, die er irgendwo aufgetrieben hatte. „Stell dir vor, du bist ein Alien und untersuchst dieses Ding hier zum allerersten Mal. Du betrachtest jede Falte, riechst daran, hörst sogar, ob sie ein Geräusch macht. Plötzlich bist du so beschäftigt mit deiner Aufmerksamkeit, dass die Schokolade nebenan unsichtbar wird.“
Anna lachte. „Also mein Gehirn überlisten, indem ich ihm eine neue Aufgabe gebe?“
„Genau. Erst Stress runterfahren, dann Ziele angehen. Sonst paddelst du nur wild durch den Fluss und kämpfst mit Strudeln, anstatt wie eine Schwimmerin elegant durchs Wasser zu gleiten.“
Anna nickte langsam. „Und wie komme ich von der Bremse runter?“
„Indem du dir deine alten Glaubenssätze vorknöpfst“, antwortete Gustav. „Das, was dich ausbremst, darfst du aussortieren. Und dann suchst du dir einen Grund, der so stark ist, dass er dich wirklich antreibt. Nicht ‚weil es vernünftig ist‘, sondern weil es dich emotional packt.“
„So wie Schwangere, die plötzlich ganz leicht mit dem Rauchen aufhören?“
„Exakt.“ Gustav legte die Rosine zurück. „Und wenn dann dein innerer Schweinehund auftaucht, erinnerst du dich daran: Mentale Stärke ist wie ein Muskel. Je öfter du trainierst, desto leichter wird’s.“
Anna griff wieder nach der Schokolade, hielt inne – und schob sie Gustav zu. „Hier, du bist der Experte für Säbelzähne. Ich übe derweil meine mentale Stärke.“
Gustav schnurrte zufrieden. „So gefällt mir das. Ein kleiner Schritt, Anna. Aber der erste zählt immer am meisten.“



